Die "Anderwelt" von Sylvia Gebhardt

Wie vielen anderen Künstlern ist es auch das Bestreben der Künstlerin Sylvia Gebhardt verborgene innere Welten in ihren Bildern sichtbar werden zu lassen. Ihre Bilder verstehen sich als phantasievolle Entdeckungsreisen in innere Wirklichkeiten, die sich in einer eigenwilligen persönlichen Bildsprache dem Betrachter darstellen. Sylvia Gebhardt zeigt uns ihre Sicht der Wirklichkeit in verschlüsselten und doch konkreten, uns irgendwie auf geheimnisvolle Weise vertrauten Formen und Farben. Es ist eine märchenhafte Wirklichkeit, die in ihrer Symbolik uns oft mehr zu offenbaren vermag, als die uns so überaus vertraute Welt mit ihren allzu bekannten Formen, deren tiefere Bedeutung uns meist aufgrund eben dieser "Vertrautheit" verschlossen bleibt. So sind die Bilder von Sylvia Gebhardt Aphorismen über die Welt der Wirklichkeit in deren Aussage sie sich selbst mit all ihren Träumen, ihren Zielvorstellungen, ihren Visionen wiederfindet; archaische Energieformen des Lebens werden sichtbar in lebendigen Formen und Gestalten der uns bekannten Welt.

Diese Auseinandersetzung mit den Themen ihrer Bilder versteht die Künstlerin auch als biographische Arbeit und Suche nach dem eigenen Selbst, als eine greifbare Reflektion über die sich ihr so erschließende Sinnhaftigkeit der Welt und den Platz den sie darin hat. Es ist eine innere Entdeckungsreise auf deren Weg sie den gestaltgewordenen Naturkräften begegnet, die das sowohl innere als auch äußere Erleben des Menschen formen. Diese Naturkräfte werden so als vom eigenen Selbst nicht trennbare Energien und Persönlichkeitsanteile erkannt.

Darüber hinaus versteht Sylvia Gebhardt ihre Bilder einfach als seine persönliche Huldigung an die Vielfalt und Herrlichkeit der Schöpfung, inspiriert durch die Faszination über die Natur des Göttlichen, die sich in dieser Schöpfung mit all ihrem Farb- und Formenreichtum spiegelt. Gefühle und Stimmungen werden im äußeren, für den Betrachter sichtbaren Formen und Farben ausgedrückt und sichtbar gemacht. Die Titel der Bilder wie z.B. "Werden und Vergehen" haben den Gegensatz von aufbauenden und zerstörenden Kräften der Natur zum Thema, die, fern von moralischen Wertmaßstäben, in der Einheit der Natur ihre Sinnhaftigkeit und Daseinsberechtigung finden. Diese gegensätzlichen Kräfte werden als notwendige Triebkraft sowohl für den Evolutionären Prozeß der Schöpfung als auch der Weiterentwicklung des Menschern erkannt.

Nicht zuletzt drücken die Bilder von Sylvia Gebhardt neben der ernsthaften Auseinandersetzung eine einfache, kindliche, unschuldige und spielerische Freude darüber aus, bewusster Teil des großen Spiels des Lebens zu sein.

Robert Klawohn